Marktanalyse · 7 Min. · veröffentlicht 2026-10-29 · von Patrick Weinheimer
Kohleausstieg 2030 im Rheinischen Revier: Folgen für Vermieter
Das Rheinische Revier deckt sich weitgehend mit unserem Ankaufsgebiet: Der Kreis Heinsberg, die StädteRegion Aachen, der Kreis Düren, Mönchengladbach sowie der Rhein-Kreis Neuss und der Rhein-Erft-Kreis gehören dazu. Mit dem auf 2030 vorgezogenen Braunkohleausstieg steht die Region vor einem tiefgreifenden Wandel – Tagebaue werden zu Seen, Kraftwerke gehen vom Netz, Fördermilliarden fließen in neue Projekte. Dieser Beitrag fasst zusammen, was beschlossen ist, welche Orte betroffen sind und welche Punkte Eigentümer von Mehrfamilienhäusern im Blick behalten sollten. Prognosen zu Preisen oder Mieten geben wir bewusst nicht ab.
Der Ausstieg 2030: was beschlossen ist
Am 4. Oktober 2022 verständigten sich das Bundeswirtschaftsministerium, das NRW-Wirtschaftsministerium und RWE darauf, den Braunkohleausstieg im Rheinischen Revier auf 2030 vorzuziehen. Umgesetzt wurde das mit dem „Gesetz zur Beschleunigung des Braunkohleausstiegs im Rheinischen Revier“ vom 19. Dezember 2022. Die drei großen Kraftwerksblöcke Niederaußem K in Bergheim sowie Neurath F und G in Grevenbroich sollen danach am 31. März 2030 vom Netz gehen statt wie zuvor geplant Ende 2038.
Ganz abgeschlossen ist die Frage nicht: Nach § 47 Abs. 4 des Kohleverstromungsbeendigungsgesetzes prüft die Bundesregierung, ob diese drei Blöcke ab dem 1. April 2030 in eine Reserve überführt werden, längstens bis zum 31. Dezember 2033. Eine Entscheidung darüber stand bis Ende Oktober 2026 noch aus. Nach Angaben von RWE wäre für eine solche Reserve keine Änderung der Tagebauplanung mehr notwendig. Wer ein Mehrfamilienhaus in Eschweiler besitzt, erlebt den Ausstieg früher: Das Kraftwerk Weisweiler, dessen einziger Kohlelieferant der Tagebau Inden ist, soll mit seinen letzten Blöcken 2028 und 2029 vom Netz gehen.
Drei Tagebaue, drei künftige Seen
Der Tagebau Garzweiler grenzt an Mönchengladbach, Erkelenz, Jüchen, Titz, Grevenbroich und Bedburg; diese sechs Kommunen arbeiten heute im Zweckverband LANDFOLGE Garzweiler zusammen. Die Kohleförderung endet hier 2030. Ab 2036 soll das Restloch mit Rheinwasser gefüllt werden – nach Angaben von RWE über einen Zeitraum von annähernd 30 Jahren.
Im Tagebau Hambach zwischen Jülich und Kerpen endet die Förderung 2029. Dort entsteht ein knapp 40 Quadratkilometer großer See, dessen Befüllung 2030 beginnen soll. Elsdorf, Jülich, Kerpen, Merzenich, Niederzier und Titz haben sich in der Gesellschaft Neuland Hambach zusammengeschlossen. Ihren Zielwasserspiegel sollen der Hambacher und der Garzweiler See nach Planung von RWE voraussichtlich bis etwa 2070 erreichen.
Auch im Tagebau Inden endet die Förderung 2029. Der künftige Indesee mit rund 1.100 Hektar wird laut RWE 30 bis 35 Jahre lang im Wesentlichen mit Wasser aus der Rur befüllt. Rund um den Tagebau arbeiten Aldenhoven, Eschweiler, Inden, Jülich, Langerwehe, Linnich, Niederzier und der Kreis Düren in der Entwicklungsgesellschaft indeland zusammen. Wer ein Mehrfamilienhaus in Inden besitzt, sollte die Zeitachse kennen: Bis aus dem Tagebau eine fertige Seenlandschaft geworden ist, vergehen Jahrzehnte.
Für Eigentümer eines Mehrfamilienhauses in Erkelenz ist vor allem die Leitentscheidung 2023 der Landesregierung wichtig: Danach wird die in Garzweiler noch abzubauende Kohlemenge halbiert, die fünf Erkelenzer Dörfer Keyenberg, Kuckum, Oberwestrich, Unterwestrich und Berverath sowie drei Höfe bleiben erhalten. Zu diesen Dörfern sowie zu Wanlo in Mönchengladbach und Jackerath in Titz muss der Tagebau mindestens 400 Meter Abstand halten, zu Holzweiler 500 Meter. Lützerath wurde im Januar 2023 geräumt. Am Tagebau Hambach bleiben der Hambacher Forst, die Ortschaft Morschenich in Merzenich und die ehemalige Kirche von Manheim-Alt erhalten.
Strukturförderung: Geld, Agentur, Projekte
Grundlage der Strukturhilfen ist das Investitionsgesetz Kohleregionen als Teil des Strukturstärkungsgesetzes, das am 14. August 2020 in Kraft trat. Bis 2038 sind für die deutschen Kohleregionen bis zu 14 Milliarden Euro Finanzhilfen und bis zu 26 Milliarden Euro für Maßnahmen des Bundes vorgesehen. Auf das Rheinische Revier entfallen 37 Prozent, also bis zu 14,8 Milliarden Euro; davon werden bis zu 5,18 Milliarden Euro als Finanzhilfen über das Land vergeben. Koordiniert wird der Strukturwandel von der Zukunftsagentur Rheinisches Revier auf Grundlage des Wirtschafts- und Strukturprogramms (WSP 1.1). Nach Angaben der Landesregierung waren bis September 2026 979 Projekte mit einem Fördervolumen von rund 3,4 Milliarden Euro bewilligt.
Das Fördergebiet ist gesetzlich auf Kreisebene festgelegt (§ 2 InvKG): Rhein-Kreis Neuss, Kreis Düren, Rhein-Erft-Kreis, StädteRegion Aachen, Kreis Heinsberg, Kreis Euskirchen und die Stadt Mönchengladbach. Damit gehört der gesamte Kreis Heinsberg bis zum Selfkant dazu, der Kreis Viersen und Düsseldorf dagegen nicht.
Sichtbar wird der Wandel an konkreten Vorhaben. In Jülich entsteht der Brainergy Park auf einem Areal von 52 Hektar; das Forschungszentrum Jülich koordiniert zudem das Helmholtz-Cluster für Wasserstoff (HC-H2), das der Bund mit rund 860 Millionen Euro fördert. Für Vermieter von Mehrfamilienhäusern in Jülich sind das Standortfaktoren, deren Wirkung auf die Wohnungsnachfrage sich erst mit der Zeit zeigen wird. Microsoft baut Rechenzentren in Bergheim, Bedburg und Elsdorf, der Spatenstich war am 12. März 2026. Am Tagebau Garzweiler soll 2037 die Internationale Gartenausstellung stattfinden; den Zuschlag erhielt der Zweckverband LANDFOLGE Garzweiler im Dezember 2024. Zu den Bundesmaßnahmen gehören außerdem Schienenprojekte wie die S-Bahn Köln–Mönchengladbach und das S-Bahn-Netz Rheinisches Revier.
Grundwasser und Bergschäden: was Eigentümer prüfen sollten
Für die Tagebaue wurde das Grundwasser großräumig abgesenkt – nach Angaben des Erftverbands auf einer Fläche von etwa 3.000 Quadratkilometern. Mit dem Ende der Sümpfung steigt es wieder an: Das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW (LANUK) geht davon aus, dass die Grundwasserstände großräumig ab etwa 2030 wieder steigen, langfristig fast bis auf das Niveau vor dem Bergbau. Die Prognosen werden derzeit überarbeitet.
Relevant ist das vor allem für Gebäude, die während der Absenkung in tiefer gelegenen Bereichen errichtet wurden. Der Erftverband nennt Teile der Erftaue, unter anderem in Bedburg, Bergheim, Kerpen und Erftstadt, die künftig von hohen Grundwasserständen betroffen und damit vernässungsgefährdet sein werden. Wer ein Mehrfamilienhaus in Bedburg oder an einem anderen Ort in der Erftaue mit Keller besitzt, sollte sich frühzeitig bei Erftverband und Kommune über die Situation seines Grundstücks informieren.
Bei Gebäudeschäden, etwa Rissen durch Bodenbewegungen, ist zu beachten: Die gesetzliche Bergschadensvermutung des § 120 Bundesberggesetz gilt nach ihrem Wortlaut für untertägigen Bergbau und Bohrungen, nicht für den Braunkohletagebau. Einen Verdacht können Eigentümer kostenlos von der Bergschadensabteilung von RWE prüfen lassen; bei Streit steht die für Antragsteller kostenfreie Schlichtungsstelle Braunkohle NRW mit Sitz in Grevenbroich zur Verfügung. Beim Verkauf gilt zudem: Bekannte Mängel wie feuchte Keller oder Risse müssen Sie offenlegen – ein vertraglicher Gewährleistungsausschluss schützt bei arglistigem Verschweigen nicht (§ 444 BGB).
Was das für Mehrfamilienhäuser bedeuten kann
Ob und wie sich der Strukturwandel auf Mieten und Kaufpreise einzelner Orte auswirkt, lässt sich seriös nicht vorhersagen. Neue Arbeitsplätze in Forschung und Rechenzentren, bessere Schienenverbindungen und langfristig die Seenlandschaften können die Nachfrage nach Wohnraum stützen; zugleich laufen viele Vorhaben über Jahrzehnte, und Zeitpläne können sich ändern. Für die Bewertung eines Mehrfamilienhauses zählen deshalb weiterhin Mikrolage, Zustand und tatsächlich erzielte Mieten. Aktuelle Marktdaten für Ihren Ort – Umsätze, Liegenschaftszinssätze, Rohertragsfaktoren – veröffentlichen die Gutachterausschüsse jährlich im Grundstücksmarktbericht, abrufbar über BORIS.NRW.
Ein Punkt betrifft Vermieter schon heute: Mehrere Revier-Kommunen fallen unter die Mieterschutzverordnung NRW, die seit 1. März 2025 gilt. Im Ankaufsgebiet sind das neben Aachen und Düsseldorf die Stadt Düren sowie Bergheim, Elsdorf, Grevenbroich und Korschenbroich. Dort gelten die Mietpreisbremse bei Wiedervermietung, eine Kappungsgrenze von 15 Prozent in drei Jahren für Mieterhöhungen bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete und eine Kündigungssperrfrist von acht Jahren nach der Umwandlung in Eigentumswohnungen. Wer ein Mehrfamilienhaus in Grevenbroich oder ein Mehrfamilienhaus in Elsdorf vermietet, sollte das bei der Planung von Mieterhöhungen berücksichtigen.
Fazit
Der Kohleausstieg im Rheinischen Revier ist beschlossen und terminiert: Die Förderung in Hambach und Inden endet 2029, in Garzweiler 2030; die großen Kraftwerksblöcke sollen im März 2030 vom Netz gehen, über eine mögliche Reserve bis 2033 ist noch nicht entschieden. Für Eigentümer von Mehrfamilienhäusern zwischen Erkelenz, Jülich und Grevenbroich heißt das vor allem: die eigene Lage genau kennen, Grundwasser- und Bergschadensfragen prüfen und die Mietrechtsvorgaben beachten. Wenn Sie wissen möchten, wie wir Ihr Objekt vor diesem Hintergrund einschätzen, fordern Sie unsere kostenlose Wertermittlung an.
Passende Ratgeber
- Immobilienmarkt NRW 2026: Trends, Preise und Prognosen für Mehrfamilienhäuser
- Bodenrichtwert in Heinsberg, Aachen & Mönchengladbach abfragen
Über den Autor: Patrick Weinheimer kauft mit Weinheimer Investments Mehrfamilienhäuser im Kreis Heinsberg, in Aachen, Mönchengladbach, Düsseldorf und im Umkreis von 40 km um Heinsberg. Unser Ankaufsgebiet · Kostenlose Wertermittlung